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  #11  
Alt 25.08.2005, 00:29
juno75
 
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Standard Stellensituation

Hey, Ihr Diskussionswütigen

Ich bin schon seit Anfang des Jahres am Suchen nach einer human bezahlten Stelle, habe da aber so meine Schwierigkeiten.

Dennoch: Ich liebe meinen Job und könnte mir keinen besseren vorstellen! Es zählt halt nicht nur der Schnöde Mammon, so wichtig er auch ist, sondern ebenso eine große Portion an Idealismus.

Und eine wichtige Schlüsselqualifikation für therapeutische Berufe ist schließlich die emotionale Belastbarkeit

Meine Message an alle willigen Studienanfänger: Macht das, was Ihr wirklich wollt, was Euch wirklich gefällt, und seid bereit, die Konsequenzen dafür zu tragen. Ne goldene Nase verdient man sich heute eh in kaum einem Bereich...
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  #12  
Alt 26.08.2005, 12:15
Mary
 
Beiträge: n/a
Standard RE: Stellensituation

Ja, aber es kommt schion darauf an. Wenn man in der misslichen lage ist, sein Leben mit dem Job bestreiten zu müssen und außerdem noch aus Studium und Ausbildung mit Schulden von 50.000 bis 80.000 Euros dasteht, ist man eben auf ein halbwegs Einkommen angewiesen. Wenistens die Zinsen sollte man tilgen können. Es hängt meiner Meinung amch schon sehr davon ab, was man sich leisten kann, also wie die finazielle Situaion ist. Wer das Geld hat und den Job gern machen möchte und nicht auf ein normales Einkommen angeweisen ist, der soll das natprlich machen. Ist doch klar. Aber man muss den Leuten auch ganz ehlich sagen, was sie erwartet. Wer es sich nämlich nicht leisten kann, der soll es auch lassen. Eine *realistische* Abwägung und Planung gehört nämlich auch zu den therapeutischen Schlüsselqualifikationen ;-).

Ich verstehe die Kritken hier nicht gegen die Entscheidung Psychologie zu studieren und auch nicht gegen den Beruf und schon gar nicht gegen das Fach. Es geht nur darum nicht noch mehr Leute zu produzieren, die einfach finaziell nicht in der Lage sind, die Situation zu tragen. Platt gesagt: Psychologie ist nichts für Leute die viel Geld verdienen wollen (das war es aber auch noch nie), aber: Psychologie heute ist auch kein Studium für Bafög Empfänger! Man muss schon Liquidität haben um sich die notwendigen Qualifikationen kaufen zu können (und dann auch die Einkommenssituation später leisten zu können). Unter den Vorzeichen wie heute ist es nicht realistisch davon auszugehen mit dem Einkommen eines Psychotherapeuten eine Familie ordentlich ernähren zu können, weil sich die Situation für den Aufbau einer Existenz hier so extrem geändert hat..
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  #13  
Alt 09.09.2005, 12:39
jo78
 
Beiträge: n/a
Idee RE: Stellensituation

Jetzt will ich doch auch mal meinen Senf dazugeben!

Psychologen in Deutschland waren _im Durchschnitt_, bzw. der breiten Masse _noch nie_ Top-Verdiener (kein Vergleich zu Ingenieuren, Wirtschaftswissenschaftlern, Medizinern, Juristen), das mal gleich vorweg!!! Auch in der guten alten Zeit hatte ein normaler durchschnittlicher Psychologe faktisch netto noch nie viel mehr in der Tasche, als ein qualifizierter Facharbeiter der Metall- oder Elektroindustrie. Bezogen auf die alten Strukturen der BRD war das aber für die allermeisten ja auch völlig ok.

Aber, Verdienst hin oder her ... der Verdienst hängt heute nicht zuletzt davon ab, welchen Job man macht. Wurde früher der Abschluss bezahlt, ist dies heute eben nicht mehr der Fall. Das automatische Einstufen in eine Gehaltsstufe nur wegen eines Unidiploms ist abgeschafft. Die Gehälter selbst sind natürlich auch niedriger.

Konnten früher Diplom-Psychologen zudem direkt nach dem Studium normal in Kliniken und Beratungsstellen oder auch sofort in eigener (oder erstmal fremder) Praxis voll als Psychologen und Therapeuten arbeiten (sich also auch ohne Einschränkungen niederlassen, Stundensätze relativ frei verhandeln, sich einem fast nicht regulierten und budgetierten Wettbewerb stellen), ist dies eben heute wegen der rechtlichen Regelungen nicht mehr möglich. Damit bricht ein Großteil der Jobs schlicht und einfach auf Nimmerwiedersehen weg, und das bei gleichzeitigem daramatischen Abbau von Stellen und weiteren Beschränkungen im Gesundheitssystem; vom Verfall der Gehälter durch Abschaffung des, bzw. Ausstieg aus dem BAT, vermehrten Überstunden bei gleichzeitigem Abstufen auf Teilzeitverträge, Scheinselbständigkeiten etc. ganz zu schweigen..

Psychotherapie wird heute von Psychotherapeuten ausgeübt. Dazu bedarf es einer staatlichen Zulassung, entweder nach dem Arztrecht oder dem Psychotherapeutengesetz. Für Psychologen heisst dies, dass das Studium nur die notwendige Eintrittsvoraussetzung für die Qualifikation zum Psychotherapeuten darstellt. Diese mehrjährige Qualifikation, also die Ausbildungskosten und die Kosten für die Lebenshaltung, muss bekanntlich selbst finanziert werden. Eine weitere Möglichkeit, heilkundlich tätig zu werden, ergibt aich aus dem Heilpraktikergesetz, jedoch durfen Heilpraktiker (Psychotherapie) nicht die Bezeichnung Psychotherapeut führen, haben keinen entsprechenden sozialrechtlichen Status etc. Außerdem muss auch hier eine zweistufige staatliche Prüfung abgelegt werden, für deren Zulasung eine abgechlossene (und selbst finanzierte) mehrjährige Therapieausbildung nachgewiesen werden muss.

Dabei gilt zu beachten, dass dies vielfach auf die (sehr) leichte Schulter genommen wird. "Tricks" dies zu umgehen, kursieren v.a. im Internet und in KaBus psychologischer Institute. Gleichzeitg kommt es in der Realität (daher) ständig zu Klagen und harten Verurteilungen. Denn tatsächlich ist rein juristisch schon jede psychologische Tätigkeit zur Feststellung (Diagnose!!!) und natürlich Heilung oder Linderung(!!!) von Störungen mit Krankheitswert Heilkunde!!! Krankheitswert nach dem hier geltenden juristischen Krankheitsbegriff bedeutet nicht nur Diagnose nach ICD / DSM (diese ist zusätzlich für die Bezahlung der Behandlung durch die Krankenkassen erforderlich), sondern auch jede psychopathologische Auffälligkeit und jede Form von allgemeinen psychischen Funktionstörungen, die die Leistungsfähigkeit oder das Wohlbefinden subjektiv negativ beeinflusst oder eine solche Beeinflussung erwarten lässt. Wer also Menschen mit diese einschränklenden Lebensproblemen psychologisch hilft, betreibt Heilkunde und benötigt daher eine Zulassung oder muss unter Aufsicht und Verantwortung eines Vorgesetzten mit Zulassung handeln; ansonsten ist dieses Vorgehen schlicht illegal und strafbar!

Fakt ist, dass auch in absoluten wirtschaftlichen Hochzeiten (z.B. während des IT und Consulting Booms) über 80% der einschlägigen Jobs für Psychologen immer noch psychotherapeutische Jobs waren; derzeit sind es sogar weit über 90%. Daher ist dieser Bereich so existenziell wichtig für die Absolventen.
Um es zu betonen: für einen sehr großen, nein, den _weitaus_ größten Teil dieser Stellen ist faktisch das Diplom mit Schwerpunktausbildung in Klinischer Psychologie (immer noch) _völlig_ ausreichend, doch führt eine sehr restriktive Auslegung der gesetzlichen Rahmenbedingungen (bedingt durch das Scheitern des Berufsverbandes, wie früher schon den klinischen Diplom-Psychogen als Heilberuf anzuerkennen) einerseits und ein Überangebot an approbierten Psychotherapeuten am Arbeitsmarkt (Übergangregelung zur Einführung des Therapeutengesetztes!) andererseits zu dieser Entwicklung.
Rein zahlenmäßig sind, wie fast überall, die Stellen natürlich insgesamt auch hier zurückgegangen (Wirtschaftsflaute, allgemein drastische Einsparungen im gesamten Gesundheitssystem, Kostendruck,Klinikpleiten, Privatisierung, Rückzug des Staates zur Verminderung der Staatsquote und damit Abbau staatl. Leistungen im psycho-sozialen Bereich usf). Es entstehen also kaum neue Stellen, während gleichzeitig Stellen abgebaut werden (allein im letzten Jahr 30% bei den Beratungsstellen, und hier wird noch stärker abgebaut). Das heisst, auch hier steigt die Arbeitslosigkeit. Wobei zunächst die Herabstufung bei den Gehältern (Ausstieg aus dem BAT) und später Überstunden plus die Herabstufung auf Teilzeitstellen die statistische Arbeitslosigkeit deutlich abgemildert hat (s.o.). Wie lange dieses Spielchen noch gut geht, bleibt abzuwarten.
Nach Angaben der KBV, werden derzeit zudem drei mal mehr Psychotherapeuten ausgebildet, als in der Bedarfsplanung (=Gelder für Psychotherapie) vorgesehen ist. Zwar weist ein Gutachten eines der größten Ausbildungsinstitute einen drohenden Mangel aus, doch deckt sich dies nicht mit den Zahlen der KBV, zumal epidemiologische Daten aus den USA nicht ohne weiteres übertragen werden können und außerdem war es in Deutschland (wie sonst auf der Welt auch) noch nie Gesundheitspolitik, dass jeder psychisch Kranke (jenseits der psychiatrischen Notfallversorgung) _sofort_ einen Therapieplatz erhält, so wie es ja auch allgemein Einschränkungen, sowohl Indikationen wie auch genehmigte Stunden, für die Psychotherapie gibt, die nur das wirklich notwendige an Behandlung bezahlen. Mit anderen Worten: den gesamten Bedarf zu decken, ist gar nicht vorgesehen und wäre auch in keinem System finanzierbar.

Insofern sind auch für kommende Psychotherapeuten die Stellen nicht wirklich zahlreich verfügbar und die Einkommen nicht sehr hoch. Das ist auch in Ordnung, wenn das vorher bekannt ist und jemand dazu bereit ist (und sich dies leisten kann - das wurde ja schon erläutert).

Hinzu kommt aber auch, dass pro Jahr nur max. 20% (oder sogar weniger) eines Absolventenjahrgangs im Laufe der Zeit einen Ausbildungsplatz zum Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichentherapeuten bekommen. D.h. von ca. 3000 Diplom-Psychologen pro Jahr (ohne Einrechnung kommender Bachelor-, Master- und FH-Absolventen!) kommen nur ca. 600 in eine Ausbildung. Von denen werden etwa 200 benötigt (wovon sich ein guter Teil eine Kassenzulassung kaufen mus!). Die Wahrscheinlichkeit, als Psychologe Psychotherapeut zu werden, ist also etwa so niedrig, wie die eines Juristen Richter, Staatsanwalt oder Beamter in der Verwaltung zu werden.Von den restlichen bekommen derzeit rund 300 eine andere fachbezogene Beschäftigung (z.B. Uni (Forschung) oder Wirtschaft (ABO Psychologie)).
Der Rest kommt heute unter die Räder und hat (das ist leider leider die äußerst bittere aber einfach nicht wegzudiskutierende, zu leugnende oder schönzuredende Realität) etwa den Status, den Bachlor-Psychologen im Ausland haben, nämlich keinen, was sich, um an die Engangbemerkung anzuschließen, natürlich drastisch im Gehalt bemerkbar macht (denn wir reden jetzt über die typischen Jobs arbeitsloser Akademiker, wie Hilfsarbeiten, Taxifahren, Aushilfstätigkeiten im Einzelhandel oder neuerdings Call-Center-Agent, also im Durchschnitt je nach Job so 4-9 Euro brutto die Stunde). Gleichzeitig ist aber auch die Stille Reserve bei Psychologen, bzw. Psychologinnen, extrem hoch. Es widmen sich wegen dieser Phänomene viele der Familiengründung, gehen, um nicht aus dem Fach zu kommen, vielleicht einen oder mehrere Vormittage die Woche via Praktikum (mit viel Glück vielleicht sogar als 200 Euro Kraft) in einer Praxis bei Psychotherapeut oder Arzt arbeiten (Sekretariatsaufgaben, Testauswertung, evtl. sogar die Eingangdiagnostik, wie im Studium als Praktikant, das übliche halt). Immerhin halten diese Strukturen die offizielle Arbeitslosigkeit bei Psychologen extrem niedrig.

Jedoch muss all das fairerweise bei der Aufnahme eines Psychologiestudiums realistisch abgewogen und bedacht werden, insbesondere oder zumindest dann, wenn (auskömmlicher) Verdienst und v.a. Perspektive auch eine Rolle bei der Wahl des Studienfaches spielen!

Auch ich wende mich _ganz klar dagegen_, vom Studum abzuraten!!! Aber ich finde es wichtig, dass man realistisch abwägt!

Ich schließe mich aber auch ganz klar der Meinung an, dass z.B.. der Beitrag zum Profiling und v.a. auch die Tatsache, dass das BKA wegen so extrem vieler Anfragen von Psychologen wegen eines solchen Jobs gezungen war, eine Stellungnahme ins Internet zu stellen, wie auch viele andere Beiträge hier im Forum, zeigen, dass hier offenbar sehr uninformiert und extrem blauäugig studiert wird.
Psychologen, die im Studium von den Neuregelungen quasi überrannt wurden, ist sicher nichts vorzuwerfen. Aber Absolventen, die nach dem Bekanntwerden dieser Strukturen dennoch studiert haben und (faktisch)arbeitslos sind, sind sicher ebensowenig zu bemitleiden wie arbeitslose Sozialpädagogen, Germanisten, Philosophen und Soziologen. Denn auch diese Fächer sind bekannt für ihre durchgängig über Jahrzehnte stabilen und von Konjuktur etc. unabhängig schlechten Perspektiven. Psychologie hat sich nun in diese Phalanx eingereiht. Das muss einfach entsprechend berücksichtigt werden.
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  #14  
Alt 10.09.2005, 08:38
Tiny20 Tiny20 ist offline
 
Registriert seit: 29.08.2005
Beiträge: 11
Standard Verdienst

Verdienst:
http://www.sueddeutsche.de/app/jobkarriere/gehaltstest/

Da kannst mal schauen, ist aber auch nicht gesagt, dass du soviel bekommst.
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  #15  
Alt 10.09.2005, 09:16
gast
 
Beiträge: n/a
Standard RE: Verdienst

Zitat:
Original von Tiny20
Verdienst:
http://www.sueddeutsche.de/app/jobkarriere/gehaltstest/

Da kannst mal schauen, ist aber auch nicht gesagt, dass du soviel bekommst.

Kannst Du vergessen. Die zitieren nur die alten BAT Tarife. Das verdienen die Leute, die (noch) auf irgendwelchen aalten Jobs sitzen. Für Einsteiger ist es uninteressant, was Leute viedienen, die nach abgeschafften alten Strukturen bezahlt werden. Das ist so, als würde man zur Bundeswehr gehen und glauben, man müßte auch heute nur in den Krieg ziehen, wenn Deutschland vom bösen Nachbarn überfallen würde.

Die DGPs Studie taugt nicht, weil zu wenig Absolventen beteiligt waren (Drop-Out über 50%!!!). Da wurden nur die Glücklichen verwurstet. Wenn man sich dann überlegt, dass die auch nur ca. 11 Euro verdienen ... na ja ...
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