Elternunabhängiges BAföG beantragen

Elternunabhängiges BAföG beantragen

Elternunabhängiges BAföG gibt es nur in Ausnahmefällen. Wann du ein Recht auf unabhängiges BAföG hast und was du und deine Eltern dabei beachten müssen, zeigen wir dir in der folgenden Übersicht.

Ein Recht auf staatliche Förderung gibt es nur dann, wenn das Einkommen eurer Eltern nicht ausreicht um ein Studium oder eine Ausbildung mittels Unterhaltszahlungen zu finanzieren.

Was ist elternunabhängiges BAföG?

Die Höhe des elternunabhängigen BAföGs richtet sich nicht nach der Höhe des Einkommens deiner Eltern. Anders als bei einem regulären BAföG-Antrag wird das Einkommen der Eltern bei der Berechnungsgrundlage nicht miteinbezogen. Mit dieser Form des BAföGs finanziert der Staat Auszubildende und Studenten, die keine Unterstützung von ihren Eltern mehr erhalten. Recht auf elternunabhängiges BAföG gibt es allerdings nur in Ausnahmefällen.

Wann gibt es elternunabhängiges BAföG?

Das elternunabhängige BAföG für das das Einkommen deiner Eltern nach keine Rolle mehr spielt, gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen. Diese sind in § 11 Abs. 3 BAföG  geregelt. Detaillierte Informationen zu diesem Ausnahmefall gibt es auf der BAföG-Seite des Bundesministeriums unter dem Stichwort “Elternunabhängige Förderung”.

Zusammengefasst hast du ein Recht auf elternunabhängiges BAföG, wenn eine oder mehrere der folgenden Aussagen auf dich, beziehungsweise auf deine Eltern zutreffen:

  • Du bist mindestens 19 Jahre alt, seit fünf Jahren berufstätig und verfügst dementsprechend über eigenes Einkommen. Beschließt du nach dieser Zeit ein Studium oder eine Ausbildung zu absolvieren, sind deine Eltern nicht mehr unterhaltspflichtig.
  • Recht auf elternunabhängiges BAföG hast du auch dann, wenn du nach einer Ausbildung oder einem Bachelorstudium bereits drei Jahre lang erwerbstätig warst. Insgesamt sollten mit Ausbildung und Erwerbstätigkeit sechs Jahre abgedeckt sein. Umfasst die Ausbildung also nur zwei Jahre, ist eine Erwerbstätigkeit von vier Jahren erforderlich. Bei einer längeren Ausbildung wird die geforderte Zeit der Erwerbstätigkeit von drei Jahren allerdings nicht verkürzt.
  • Du stellst den BAföG-Antrag nach Vollendung des 30. Lebensjahres
  • Der Antrag gilt für die Finanzierung eines Abendgymnasiums oder einem Kolleg
  • Der Aufenthaltsort der Eltern ist unbekannt und kann sowohl durch eigene Anstrengungen als auch mithilfe des BAföG-Amtes nicht ermittelt werden
  • Aus rechtlichen Gründen können deine Eltern keinen Unterhalt leisten
  • beide Elternteile sind verstorben

Meine Eltern können mich finanziell nicht unterstützen. Kann ich elternunabhängiges BAföG beantragen?

Trifft eine oder mehrere der oben genannten Aussagen auf dich zu hast du gute Chancen elternunabhängiges BAföG zu erhalten. Häufig besteht das Problem angehender Studierender allerdings darin, dass Eltern das Studium ihrer Kinder finanziell nicht unterstützen können oder wollen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Eltern sind verschuldet und müssen ein Haus finanzieren oder sie sind mit der Art des Studiums, beziehungsweise der Ausbildung nicht einverstanden. Fakt ist allerdings, dass deine Eltern dir gegenüber unterhaltspflichtig sind. Die Höhe des Unterhalts richtet sich nach der Höhe des Einkommens beider Elternteile. Einen Richtwert dafür, wie viel Unterhalt du für das Studium jeweils von deinen Eltern erwarten kannst, zeigt die Düsseldorfer Tabelle.

Wenn unklar ist, ob eine Unterhaltspflicht besteht, haben Studierende die Möglichkeit elternunabhängiges BAföG in Vorausleistung zu beantragen.

Elternunabhängiges BAföG in Vorausleistung beantragen

Elternunabhängiges BAföG in Vorausleistung zu beantragen bedeutet, dass das Amt deinen Antrag unter Berücksichtigung des Zivilrechts erneut überprüft. Vorübergehend übernimmt der Staat den bereits errechneten BAföG – Beitrag. Der Hintergrund: BAföG und Zivilrecht unterscheiden sich und stützen sich auf unterschiedliche Regelungen. So kann es sein, dass du nach § 11 Abs. 3 BAföG  zwar kein Recht auf elternunabhängiges BAföG hast, nach dem Zivilrecht aber keine Unterhaltspflicht mehr für deine Eltern besteht. Das bedeutet, dass du wiederum Recht auf elternunabhängiges BAföG hast.

Gegebenenfalls wird dir nach einem bewilligten Verfahren sogar mehr BAföG zugesprochen, da du ja nicht mehr auf den Unterhalt deiner Eltern hoffen kannst. Hast du zusätzlich auch kein eigenes Einkommen, beispielsweise durch einen Studentenjob, erhöht sich dein BAföG.

Antrag auf Vorausleistung nach §36 BAföG richtig ausfüllen

Um ein Vorausleistungsverfahren nach §36 BAföG zu beantragen, benötigst du das Formblatt 8, indem du folgende Informationen angibst:

  • Auskünfte über geleistete beziehungsweise nicht geleistete Unterhaltszahlungen deiner Eltern. (Zeile 4 – 13)
  • Angaben zu Unterhaltszahlungen von anderen Personen, beispielsweise von Großeltern oder erwerbstätigen Geschwistern, Sachleistungen wie Unterkunft, tägliche Mahlzeiten oder etwa Versicherungen. (Zeile 14 – 20) Unser Tipp: Um falsche Angaben diesbezüglich zu vermeiden, liste vor dem Ausfüllen des Antrages alles auf einem gesonderten Blatt Papier auf.
  • Falls du noch Kindergeld erhältst, gibst du hier neben der Höhe des Kindergeldes auch an, ob du oder deine Eltern das Kindergeld ausgezahlt bekommen (Zeile 21 – 25)
  • Angaben darüber ob die Sachleistungen im Allgemeinen angeboten wurden und Auskunft darüber, warum du gegebenenfalls keinen Gebrauch davon gemacht hast (Zeile 26 – 32)
  • In Kurzform gibst du hier die Begründung deiner Eltern an, warum sie dir keinen Unterhalt mehr zahlen können beziehungsweise wollen. Zusätzlich machst du Angaben dazu, ob bereits eine Klage oder andere rechtliche Schritte wegen nicht geleisteter Unterhaltszahlungen unternommen wurden (Zeile 33 – 51). Sollte das der Fall sein, hänge dem Antrag Kopien der entsprechenden Bescheide an.
  • Falls du verheiratet oder falls du dich in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft befindest, machst du außerdem Angaben über Unterhaltszahlungen deines Ehepartners/deiner Ehepartnerin oder deines Lebenspartners/Lebenspartnerin (Zeile 52 bis 57)

Neben dem Formblatt 8 müssen deine Eltern zur weiteren Prüfung ihr Einkommen im Formblatt 3 offen legen. Empfehlenswert ist es außerdem, neben dem Antrag zusätzlich eine Erklärung zu verfassen, warum für deine Eltern aus zivilrechtlicher Sicht dir gegenüber keine Unterhaltspflicht mehr besteht.

Kommt das Amt nach Prüfung des Antrages zur Vorausleistung zu dem Schluss, dass nach dem Zivilrecht keine Unterhaltspflicht besteht, erhältst du elternunabhängiges BAföG. Anderenfalls fordert das Amt deine Eltern auf, die vorgeleistete Förderung zurückzuzahlen. Zahlen deine Eltern den Betrag nicht zurück, wird das Amt gegebenenfalls eine Unterhaltsklage gegen sie einreichen.

Elternunabhängiges BAföG beantragen: Konflikte in der Familie vermeiden

Insbesondere im Vorausleistungsverfahren kann es zu Konflikten mit den Eltern kommen. Das ist häufig dann der Fall, wenn der Beitrag im Nachhinein abgelehnt oder schlimmstenfalls Klage gegen deine Eltern erhoben wird. Hast du ohnehin ein schlechtes Verhältnis zu deinen Eltern, ist das nicht weiter schlimm. Allerdings haben viele Studenten Sorge, ein Vorausleistungsverfahren anzustoßen. Um Konflikte zu vermeiden kann es deshalb hilfreich sein, sich zuvor mit den Eltern abzustimmen und Vorteile wie Nachteile zu diskutieren. Des Weiteren schadet es nicht, sich vor dem Studium für solche Fälle etwas Geld beiseite zu legen.

Hast du bereits Erfahrungen oder Fragen in Sachen BAföG? Teile sie mit der Uni24 – Community!

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